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Exhibition: "Premonition, Blood, Hope" / "Vorahnung, Blut und Hoffnung"

Vorahnung, Blut und Hoffnung
Kunstbeispiele in der Vojvodina und Serbien von 1914-2014

So gut wie alle Generationen serbischer und vojvodiner Künstler schufen während des unglücklichen 20. Jahrhunderts im Zeitraum zwischen den Weltkriegen. Es reihten sich die Balkankriege (1912-1913), der Erste Weltkrieg (1914-1918), der Zweite Weltkrieg (1941-1945), der Bürgerkrieg nach dem Zerfall der SFR Jugoslawien (1991-1995), bis das Jahrhundert mit der NATO Bombardierung der BR Jugoslawien im Jahre 1999 endete. Immer zwischen Vorahnung, Blut und Hoffnung entstanden die Kunstwerke der serbischen und vojvodiner Künstler - ständig in der Bemühung, das Gefühl des Zeitgeistes auf entsprechende Weise zum Ausdruck zu bringen, aber auch die ontologische Authentizität der Kunst und ihres Sinnes zu ergründen.
Die Ausstellung unter dem Titel Vorahnung, Blut und Hoffnung – Kunstbeispiele in der Vojvodina und Serbien 1914-2014 ist in drei Einheiten konzipiert.

I

Milan Konjović an den Scheidewegen der serbischen Kunst (1914-1993)
Eine Darstellung der historisch-künstlerischen Geschehnisse vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zum Zerfall der SFR Jugoslawien Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Durch das Ausstellungskonzept wird im Besonderen auf Milan Konjović (1898-1993) hingewiesen, einen Künstler, der mit seinem langen Leben und Werk fast das gesamte „verkürzte  20. Jahrhundert“ überflügelt hat: sein Schaffen umfasste auch die ausschlaggebenden Kriegsgeschehnisse – erhalten geblieben sind seine Zeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Soldat an den Fronten von der Ukraine bis Norditalien teilgenommen hat; zudem seine Pastelle aus dem Lager Osnarbrück Oflag 5b, in dem er während des Jahres 1941 inhaftiert war; wie auch besondere Zeugnisse über die Vorahnung des Künstlers bezüglich des Bürgerkriegs in Jugoslawien im Laufe der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Die Rolle Konjovićs in der serbischen Kunst ist von großer Bedeutung, da er ein Akteur entscheidender Ereignisse war – während der post-kubistischen Bewegungen (1920-22) als führender Expressionist; zwischen zwei Weltkriegen als Anführer des Kampfes gegen die Ideologie des sozialistischen Realismus; Anfang der fünziger und in den frühen sechziger Jahren als Realisator einer frühen Performance (1962), die einen bedeutenden Vorgriff und die Einleitung des Konzeptualismus in den serbischen und vojvodiner Kunstkreisen darstellte; als Akteur der postmodernistischen „neuen bildenden Kunst“ Mitte der achtziger Jahre.


1. Serbischer kubistischer Exkurs. In der Kunstgeschichte Serbiens gilt Konjović als Autor der bedeutendsten (post)kubistischen Werke. Diese sind bedeutend, da sie eine erste  entschiedene modernistische Befassung mit der Malerei in der serbischen Kunst und einen radikalen Beitrag zur Entwicklung des modernistischen malerischen Gedankens darstellen. Neben den Werken von Konjović werden in der Ausstellung parallel auch Werke der bedeutendsten Akteure derselben Bewegungen in der serbischen Kunst gezeigt. Das sind unter anderem Petar Dobrović, Sava Šumanović, Ivan Radović.


2. Expressionismus –  pure Malerei. Die bedeutendsten Erscheinungen in der serbischen Malerei zwischen zwei Weltkriegen – Expressionismus der Farben und Gesten, Intimismus, poetischer Realismus und koloristischer Realismus – werden in der Fachliteratur als Kreis der puren Malerei bezeichnet. Neben Konjović gehören diesem Kreis auch noch Bijelić, Dobrović, Šumanović, Job, Zora Petrović, Šerban und andere an – die in einem Wankelmut zwischen dem Avantgardismus und Traditionalismus authentische persönliche Resultate erzielten, die der Sensibilität der Welt und Zeit, in der sie lebten und schufen, nahestanden. In diesem Segment der Ausstellung werden die Werke von Jovan Bijelić, Zora Petrović, Ignjat Job, Petar Dobrović, Milenko Šerban präsentiert.


3. Gegen den sozialistischen Realismus – zur Apstraktion. Während der Nachkriegsjahre wurde den Künstlern in Jugoslawien das Konzept des sozialistischen Realismus aufgedrängt. Der Staat bemühte sich, die Kunst zur Stärkung der kommunistischen Ideologie und des damaligen Regimes zu „nutzen“. Konjović war ein herausragender Gegner eines derartigen Konzeptes, wobei seine und Lubardas Ausstellung (beide im Frühjahr 1951) den größten Beitrag zur Überwindung derartiger politischer Zwänge darstellten. Während der fünfziger und in den frühen sechziger Jahren kündigen einige seiner Werke den Weg zur Apstraktion an, wodurch er eine bedeutende Bewegung der künstlerischen Freiheit und Modernisierung der damaligen serbischen Malerei einleitet. Neben den Werken von Konjović werden in diesem Teil der Ausstellung auch die Werke von Petar Lubarda, Pšetar Omčikus, Miloš Bajić, Stojan Ćelić, Mića Popović, Miodrag B. Protić, Zoran Petrović, Jožef Ač, Ankica Oprešnik gezeigt.


4. Nur eine Performance. Im Jahre 1962 hat Milan Konjović in Novi Sad eine Performance veranstaltet, bei der er öffentlich gemalt hat. Diese Performance geschah fast zur gleichen Zeit, als einige europäische Künstler (Yves Klein, Georges Mathieu) ähnliche öffentliche Auftritte veranstalten. Es hat sich gezeigt, dass diese Performance von Konjović einer gegen Ende der sechziger und während der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts geschaffenen starken konzeptualistischen Bewegung in der Vojvodina vorausging. Neben Fotografien der genannten Performance werden auch Werke vojvodiner konzeptueller Künstler der Gruppe Bosch+Bosch, Balint, Matković, Kerekeš, Katalkin Ladik u. a. präsentiert.


5. Kunst der Achtziger: byzantinische Zitate. Während der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts beteiligt sich Konjović in seinem achten Lebensjahrzehnt aktiv an den Geschehnissen der damaligen „Kunst der Achtziger“. Sein expressionistischer Elan, die plötzliche Befassung mit dem „Zitieren“ byzantinischer Ikonographie, brachten ihn der damals aktuellen Kunstszene nahe – nicht nur als einzigartigen Antizipator, sondern auch als relevanten Akteur zeitgenössischer Ereignisse. Neben seinen Bildern aus dem „Byzantinischen Zyklus“ werden auch Werke bedeutender vojvodiner Vertreter der postmodernistischen Malerei gezeigt: Laszlo Kerekes, Slavko Matković,  Dušan Todorović, Branka Janković, Dobrivoje Rajić, Vera Zarić, Milenko Prvački.

II

Kunst der Neunziger: Widerstand gegen Chaos – Verstand und Gefühl
Die Kunst der Neunziger spielt sich unter den Bedingungen einer epochalen Krise der gesamten jugoslawischen Gesellschaft ab. In diesen Jahren domoniert die Idee der Destruktion, die zum Zerfall der SFRJ, einer katastrophalen Wirtschaftskrise und weltweit rekordartigen Inflation, einem strengen Embargo und zum Ausschluss aus der internationalen Gemeinschaft, wie auch zur physisch-kriegerischen Zerstörung führt. Die Kunst in der Vojvodina widersetzt sich auf eine spezifische Weise einem derartigen Zustand – es bleibt der Geist des Multikulturalismus erhalten, das Konzept des plastischen Rationalismus, der Harmonie, der Konstruktivität und Errichtung (Geometrie, Minimalismus, Konstruktion) wird forciert und zugleich erscheint ein mächtig engagierter künstlerischer Aktivismus (Strassenaktionen, Performances, große Werke „in situ“). Während der gesamten Zeit der „Kunst der Neunziger“ ist die modernistische Einstellung Filiberto Mennas präsent, nach der „die Kunst Anspruch auf Besonderheit hat – nicht, um sich hervorzuheben, sondern um mit ihrem Beispiel anderen Kenntnissen und anderen Praktiken als Vorbild zu dienen“. Die Hauptakteure dieser Kunst sind Verbumprogram, Zoran Pantelić, Rastislav Škulec, Dragan Rakić, Igor Antić, Zvonimir Santrač, Szombathy Balint, die Gruppe Led art, Andrej Tišma, Apsolutno.

III

Nach 2000: Kunst im Zeitraum der Transition – Transition in der Kunst
Den dritten Teil der Ausstellung stellen Geschehnisse nach dem Jahr 2000 dar. Die führenden Akteure dieser Kunst sind Künstler, die auf eine sublime Art und Weise das Schicksal des 20. Jahrhunderts instant erlebt haben: –  das drohende Kriegsdrama voraussehend und von der Atmosphäre des Bürgerkriegs erfasst (1991-1995) und danach auf bessere Zeiten hoffend, damit in Kürze eine neue Vorahnung aufkam, ein neuer brutaler Krieg (NATO Bombardierung, 1999) und ein neuer Zeitraum der Hoffnung nach 2000. Dieses sich wiederholende Schicksal war nicht imstande, innovative Veränderungen zu initiieren. Es gibt keine überwiegenden Erscheinungen, so dass der Glaube an ontologische Eigenheiten und künstlerische Werte als Konstante verbleibt. Im thematischen Sinne widmen sich die vojvodiner Künstler vorwiegend dem Thema der Transition der Gesellschaft. Zugleich, da im globalen Kontext die Logik der „Ikonosphäre“ dominiert, in der eine Vielfalt an Werken der unterschiedlichsten Herkunft und Absichten pulsiert – hat sich auch in der serbischen Kunst die Transition von den klassischen zu den elektronischen Medien und der elektronischen Kunst aufgedrängt. Die Hauptakteure der Kunst nach 2000 sind Zograf, Milan Blanuša, Goran Despotovski, Bosiljka Zirojević, Ljubomir Vučinić, Stevan Kojić, Nataša Teofilović, Jelena Bulajić, Andrea Ivanović, Korina Gubik, Andrea Palašti und andere.


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